Geschichte Sandaus

 

Frühzeit
(Germanen und Slawen)
Mittelalter
(Erste urkundliche Erwähnung)
Feudalzeit
(Reformation)
Neuzeit
(19. bis 20. Jahrhundert)
Gegenwart
(21. Jahrhundert)

 

Germanen und Slawen

Zur Römerzeit war das Land zwischen Elbe und Havel germanisches Siedlungsgebiet, die Semonen siedelten auf den Anhöhen im Urstromtal der Elbe. Ein Handelsweg zwischen Regensburg und Wismar am Suebischen Meer (Ostsee) verlief jenseits der Elbe. Es ist nicht auszuschließen, das über diesen Weg ein Römer Sandauer Boden betrat, bewiesen ist es jedoch nicht.

Im 6. Jahrhundert wanderten die germanischen Stämme ab. Der Landstrich zwischen Elbe und Havel wurde entvölkert. Später zogen hier slawische Stämme ein, es waren überwiegend Liutizen und Heveller, die hier siedelten. Sie fanden fischreiche Gewässer und fruchtbaren Ackerboden vor. 928 fielen feudale Heere unter Heinrich I. ein und unterwarfen die slawischen Völker. Die Auseinandersetzung wurde mit großer Härte und Grausamkeit geführt. 934 waren alle slawischen Stämme bis zur Oder unterworfen. Aber der Widerstandswille der Slawischen Stämme war noch nicht gebrochen, 983 nutzten die Obodriten und Liutizen eine Niederlage der deutschen Heere unter Otto I. in Italien aus und befreiten die westslawischen Gebiete bis zur Elbe. Für 150 Jahre waren sie wieder Besitzer des Landes zwischen Elbe und Havel.

In diese Zeit fiel auch die Entstehung des Ortes Sandaus, damals als slawisches Dorf oder Wendendorf, wie es überliefert wurde, lag der Ort an einem von den Elbhochwssern geschützten Ort weit in der Feldmark.

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Erste urkundliche Erwähnung

Mitte des 12. Jahrhunderts wird das Gebiet zwischen Elbe und Havel in den deutschen Feudalstaat eingegliedert.

Jetzt wird Sandau auch zum ersten Mal urkundlich in einer bischhöflichen Bestätigung eines Tausches zwischen den Grafen Heinrich von Gardelegen und dem Stift unserer lieben Frauen in Magdeburg erwähnt. Der Graf erhält gegen Abgabe des Zehnten in Mose 4Hufe Land in Villa Sandowe.

Um 1200 oder auch schon früher beginnen holländische Kolonisten und Jerichower Mönche mit dem Bau der Sandauer Kirche. Sie wurde dem heiligen Nikolaus geweiht, dem Schutzpatron der Holländer.

1272 bewilligen die Markgrafen Johann Otto und Waldemar der Stadt eine freie Fähre, der Ort wird erstmals als Stadt bezeichnet.

Das Mittelalter prägt die Stadt und entwickelt sie. Die Stadt wird befestigt, eine Stadtmauer, die bis vor einigen Jahren noch in Resten zu besichtigen war entsteht. Feudalherren und Raubritter aus der Prignitz beanspruchen die Stadt und nehmen sie im Jahre 1377 ein. Es ist überliefert, daß 1378 der Magdeburger Erzbischof eine Truppe von ca. 100 Mann unter dem Kommando von Hauptmann Meinhard von Schierstedt aussandte, um Sandau wieder in seinen Besitz zu bringen. Die Truppen fuhren mit Booten die Elbe stromabwärts und eroberten in einem Handstreich die Stadt zurück.

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Reformation

Die Reformation breitet sich aus. 1540 wird die evangelische Religion angenommen. Johann Hancke tritt als erster evangelischer Pfarrer sein Amt an. 1562 wird die erste lutherische Kirchenvisitation durchgeführt. "Die Stadt Sandau hat 210 Bürger, der Schullehrer verrichtet zugleich Küsterdienste."

Der dreißigjährige Krieg macht auch vor den Toren der Stadt Sandau nicht halt. Die durchziehenden Truppen rauben, morden und zerstören. Viele Bürger verlassen die Stadt und suchen ihr Brot durch betteln oder wandern elbabwärts nach Hamburg aus.

Nach dem Tode des Administrators August geht 1680 das Herzogtum Magdeburg und damit die Stadt Sandau in brandenburgischen Besitz über, selbiges wurde 1648 auf dem Westfälischen Friedenskongress beschlossen.

1717 - Friedrich Wilhelm I. der Soldatenkönig stationiert in Sandau eine Kompanie des Dragoner-Regiments Markgraf Albrecht von Brandenburg. Sandau wird Garnisionsstadt.

1737 reist der preußische König Friedrich Wilhelm durch Sandau.

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19. bis 20. Jahrhundert

1806 - Nach der Niederlage der preußischen Truppen bei Jena und Auerstedt, ziehen sich die Preußen über die Elbe zurück. Am 24.Oktober 1806 setzt Blücher mit seinem Korps bei Sandau über die Elbe. Am 26. Oktober 1806 folgt der Herzog von Weimar. Der Übergang wird von dem Feldherren Yorck gedeckt. Bei Altezaun am anderen Ufer der Elbe findet man heute noch einen Gedenkstein.
Abbildung: Das Gefecht bei Altenzaun
Die Sandauer Kompanie kapituliert mit dem gesamten Regiment bei Pasewalk, damit verliert Sandau seine Garnision.

Am 01. November 1806 rücken die Franzosen in Sandau ein.

Am 24. November 1809 wird die Stadt von den Franzosen geräumt.

1813 wird das Landsturm Battalion Sandau aufgestellt. Vom 18. Mai 1813 bis zum 24. Mai 1813 befindet sich eine Kompanie Lützower Jäger zur Beobachtung des Elbüberganges in der Stadt. unter ihnen ist auch der Dichter Theodor Körner. Es entsteht das Gedicht "Mißmut".

1839-1844 wird die Chaussee von Genthin über Jerichow, Sandau und Havelberg in Richtung Hamburg gebaut. Heute bekannt unter Bundessstraße 107.

1898 Enthüllung des Kriegerdenkmals. Es dient zum Gedenken an die Kriege 1864; 1866; und 1870/71.

1909 Eröffnung der Kleinbahn von Schönhausen nach Sandau.

1914-1918 Erster Weltkrieg. 108 Männer der Stadt fallen an der Westfront.

1945
13. April, um 13:30 Uhr eröffnet amerikanische Artillerie das Feuer auf die Stadt Sandau. Zum Einsatz kommen neben Splitter-Spreng-Granaten auch die gefürchteten Phosphorgranaten. Nach 10 Tagen Beschuß stehen die Sandauer vor einem grausigen Bild:
12 Tote.
80% der Gebäude sind zerstört, darunter befindet sich auch die Kirche.

1955 Im Rahmen des Wiederaufbaus erhält die Stadt eine Feuerwehrgerätehaus, davor wurde im Sandauer Park eine Freilichtbühne und ein Sportplatz übergeben.

1965 Eine Turnhalle wurde fertiggestellt.

1974 Einweihung eines Denkmales für die Soldaten der I. Polnischen Armee, die am 03.05. 1945 hier die Elbe erreichten.
Abbildung: Denkmal der I.Polnischen Armee

1952-1990 Sandau gehört zum Kreis Havelberg im Bezirk Magdeburg. Ab 1990 Kreis Havelberg im Land Sachsen-Anhalt.

1991 Sandau erhält eine neue Gierfähre.

1993 am 1. August wird auf der Bahnstrecke Schönhausen-Sandau der Personenverkehr eingestellt. Am 20.Dezember 1997 wird der gesamte Bahnverkehr offiziell stillgelegt.
Abbildung: Der Sandauer Bahnhof

1994 Sandau wird in den Kreis Stendal eingegliedert. Das Kfz-Kennzeichen lautet ab jetzt: SDL.

1996 Neubau einer kombinierten Gier- und Motorfähre. Jetzt ist es möglich den Fährbetrieb bei jedem Wasserstand aufrecht zu halten.
Abbildung: Die Sandauer Fähre

1998 Neubau einer Turnhalle.

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21. Jahrhundert

2001 - Im Mai wird ein neues Feuerwehrgerätehaus feierlich eröffnet. Die Arbeitsbedingungen der Feuerwehrleute werden damit erheblich verbessert.
Abbildung: Feuerwehrgerätehaus

2002 Am 11. August findet die Grundsteinlegung zum Wiederaufbau des im 2. Weltkrieg zerstörten Kirchturmes statt.

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